WissenLesezeit 6 Minuten
Zwölf Monate im Blick: Wie ein rollierender Liquiditätsplan entsteht
Der Kontostand sagt wenig über die nächsten Monate. Ein rollierender Plan aus Bankdaten, offenen Rechnungen und wiederkehrenden Zahlungen schon.
Autor: PlatzhalterBeitrag: Platzhalter — redaktionelle Freigabe offen

Der Kontostand ist eine Momentaufnahme. Er sagt, was heute auf dem Konto liegt, aber nicht, ob es am 25. des nächsten Monats für die Löhne reicht, wenn gleichzeitig die Mehrwertsteuer fällig wird und ein grosser Kunde erst in sechzig Tagen zahlt. Genau diese Lücke schliesst ein Liquiditätsplan: Er legt die erwarteten Zahlungseingänge und -ausgänge Monat für Monat nebeneinander und zeigt, wo der Bestand knapp wird.
Was «rollierend» bedeutet
Ein rollierender Plan blickt immer zwölf Monate voraus. Ist ein Monat vorbei, trägt man die tatsächlichen Zahlen ein, prüft die Abweichung zur Planung und hängt am Ende einen neuen Monat an. Der Plan wird dadurch nie «fertig», aber auch nie veraltet — anders als ein Jahresplan, der im Oktober nur noch drei Monate Sicht bietet.
Drei Quellen, aus denen der Plan entsteht
Erstens die Bankdaten: Ein Export der letzten zwölf Monate zeigt, welche Zahlungen regelmässig wiederkehren und in welcher Höhe. Zweitens die offenen Rechnungen auf beiden Seiten — Debitoren, also was Kunden Ihnen schulden, und Kreditoren, also was Sie Lieferanten schulden — jeweils mit dem voraussichtlichen Zahlungsdatum. Drittens die Liste der wiederkehrenden Verpflichtungen, die nicht in jedem Monat auftauchen: Löhne inklusive 13. Monatslohn, Sozialversicherungsbeiträge, Miete, Versicherungsprämien, die Mehrwertsteuer-Abrechnung im Quartal, Steuerrechnungen und Leasingraten.
Aufbau in der eigenen Tabelle
Die Struktur ist einfach: In den Spalten stehen die Monate, in den Zeilen die Zahlungsarten. Oben der Anfangsbestand, darunter die Eingänge nach Kundengruppe oder Auftragsart, dann die Ausgänge nach Kategorie, zuletzt der Endbestand, der zum Anfangsbestand des nächsten Monats wird. Mehr als dreissig Zeilen braucht kaum eine Firma mit bis zu 25 Personen. Wichtig ist, dass jede Zeile eine Quelle hat — ein Konto, eine Liste, einen Vertrag — und dass Schätzungen als solche markiert sind.
Die monatliche Pflege
Wer den Plan pflegt, braucht dafür etwa dreissig Minuten am Monatsanfang: Ist-Zahlen aus dem Bankauszug eintragen, die Planspalten der kommenden Monate anpassen, wo sich etwas geändert hat, einen neuen Monat anhängen. In unserer Leistung «Liquiditätsplan-Aufbau» ist die zweite Sitzung genau dieser Übergabe gewidmet; eine kurze schriftliche Anleitung bleibt in der Firma.
Typische Stolpersteine
- Die Mehrwertsteuer wird vergessen, weil sie nur viermal im Jahr fällig ist — und dann in einer Summe.
- Der 13. Monatslohn und die Jahresprämien der Versicherungen stehen nicht im Plan, obwohl sie jedes Jahr kommen.
- Zahlungsziele der Kunden werden zu optimistisch geschätzt. Der Blick in die Debitorenliste der letzten Monate zeigt das wirkliche Verhalten.
- Der Plan wird einmal gebaut und dann nicht mehr angefasst. Ohne die monatliche Pflege verliert er innerhalb eines Quartals seinen Wert.
Was der Plan nicht kann
Ein Liquiditätsplan ersetzt weder die Buchhaltung noch die Erfolgsrechnung. Er sagt nichts über Gewinn oder Rentabilität, sondern nur über Zahlungsfähigkeit. Und er ist so gut wie seine Annahmen: Wer einen Grossauftrag einplant, der noch nicht unterschrieben ist, sieht einen Bestand, den es vielleicht nie geben wird. Deshalb lohnt sich eine zweite Zeile für den Fall, dass der Auftrag ausbleibt.
Dieser Beitrag beschreibt ein Vorgehen, keine Ergebnisse. Ob es zu Ihrer Firma passt, klären wir im Erstgespräch.
Glossar
- Liquidität
- Die Fähigkeit, fällige Zahlungen fristgerecht zu leisten. Nicht dasselbe wie Gewinn: Eine profitable Firma kann zahlungsunfähig werden, wenn Kunden spät zahlen.
- Debitoren
- Offene Forderungen gegenüber Kunden — Rechnungen, die Sie gestellt haben und die noch nicht bezahlt sind.
- Kreditoren
- Offene Verpflichtungen gegenüber Lieferanten — Rechnungen, die Sie erhalten haben und noch bezahlen müssen.
- Rollierend
- Ein Planungshorizont, der mit jedem abgeschlossenen Monat um einen Monat nach vorn verschoben wird, so dass immer zwölf Monate sichtbar bleiben.
- Anfangs- und Endbestand
- Der Kontostand zu Beginn und am Ende eines Planmonats. Der Endbestand eines Monats ist der Anfangsbestand des nächsten.
- Zahlungsziel
- Die Frist, innerhalb der eine Rechnung bezahlt werden soll — und, für die Planung wichtiger, die Frist, innerhalb der sie tatsächlich bezahlt wird.
Was Sie für den Aufbau bereitstellen
Diese Unterlagen reichen für die erste Sitzung. Fehlt etwas, beginnen wir mit dem, was da ist, und ergänzen später.
- Bankauszüge
Export der letzten zwölf Monate als CSV oder PDF, für alle Geschäftskonten.
- Offene Debitoren
Liste der gestellten, noch nicht bezahlten Rechnungen mit Betrag und Fälligkeit.
- Offene Kreditoren
Liste der erhaltenen, noch nicht bezahlten Rechnungen mit Betrag und Fälligkeit.
- Lohnsumme pro Monat
Bruttolöhne, Arbeitgeberbeiträge und der Monat, in dem der 13. Monatslohn ausbezahlt wird.
- Wiederkehrende Verträge
Miete, Leasing, Versicherungen, Abonnemente — mit Betrag und Fälligkeitsrhythmus.
- Letzte MWST-Abrechnung
Zeigt den Rhythmus und die Grössenordnung der Steuerzahlungen.
Eckdaten der Leistung
- 12
- Monate Planungshorizont, rollierend
- 2
- Sitzungen: Aufbau und Übergabe
- 25
- Personen — Obergrenze der Firmengrösse
- 30
- Minuten monatliche Pflege, als Richtwert