WissenLesezeit 5 Minuten
Fixkosten, variable Kosten und der Blick auf drei Jahre
Welche Positionen haben sich am stärksten bewegt, und was kostet ein Auftrag wirklich? Eine Kostenstrukturanalyse aus den eigenen Konten.
Autor: PlatzhalterBeitrag: Platzhalter — redaktionelle Freigabe offen

Die Erfolgsrechnung zeigt, wie hoch die Kosten sind. Sie zeigt nicht, woher sie kommen, welche davon mit jedem Auftrag wachsen und welche auch dann anfallen, wenn kein Auftrag im Haus ist. Eine Kostenstrukturanalyse beantwortet diese Fragen aus den eigenen Konten — und sie blickt dabei nicht auf ein Jahr, sondern auf drei.
Kostenstellen bilden
Der erste Schritt ordnet jede Kostenart einem Bereich zu: Werkstatt, Büro, Fahrzeuge, Verkauf, Lager — je nachdem, wie die Firma arbeitet. Kleine Firmen brauchen selten mehr als fünf bis acht Kostenstellen. Die Zuordnung geschieht einmal, im Kick-off, und gilt danach für alle drei Jahre, damit die Vergleiche stimmen.
Fix oder variabel
Dann wird jede Kostenart als fix oder variabel eingestuft. Fixkosten fallen unabhängig von der Auftragslage an: Miete, Versicherungen, Grundgehälter, Leasing, Softwareabonnemente. Variable Kosten wachsen mit dem Umsatz: Material, Fremdleistungen, Verpackung, Provisionen, Überstunden. Manche Positionen sind gemischt — die Stromrechnung einer Werkstatt hat einen Grundanteil und einen Verbrauchsanteil. Für die Analyse genügt eine ehrliche Schätzung des Verhältnisses.
Kosten pro Auftrag oder pro Stunde
Aus Fixkosten und produktiven Stunden entsteht die Zahl, die in Handwerk und Dienstleistung am meisten interessiert: Was kostet eine Stunde, bevor überhaupt etwas verdient ist? Im Handel ist es die Frage nach den Kosten pro Auftrag oder pro Bestellung. Diese Zahl ist die Grundlage für jede Diskussion über Stundenansätze und Mindestbestellwerte — und sie überrascht in vielen Firmen, weil der Fixkostenanteil höher liegt als vermutet.
Der Blick auf drei Jahre
Der interessanteste Teil der Analyse ist die Bewegung. Welche Positionen sind in drei Jahren am stärksten gewachsen, welche geschrumpft, welche neu dazugekommen? Oft sind es nicht die grossen Posten, sondern die kleinen, die sich vervielfacht haben: Softwareabonnemente, die niemand mehr nutzt, Versicherungen, die sich überschneiden, Fahrzeugkosten für ein Fahrzeug, das selten fährt. Die Analyse zeigt die Bewegung; was daraus folgt, entscheidet die Firma.
Was im Bericht steht
Der Analysebericht enthält die Kostenstellen mit ihren Anteilen, die Aufteilung in fix und variabel, die Kosten pro Stunde oder pro Auftrag für jedes der drei Jahre und eine Liste der zehn Positionen mit der grössten Bewegung — jeweils mit der Quelle in der Buchhaltung. In der Abschlusssitzung gehen wir ihn Position für Position durch.
Was die Analyse nicht leistet
Sie spart nichts ein. Sie zeigt, wo Kosten entstehen und wie sie sich bewegt haben; ob eine Position gerechtfertigt ist, weiss die Firma besser als jede Auswertung. Und sie ist nur so genau wie die Buchhaltung, aus der sie stammt: Wer drei Jahre lang Material und Fremdleistungen auf dasselbe Konto gebucht hat, bekommt für diese beiden Positionen eine gemeinsame Zahl.
Dieser Beitrag beschreibt ein Vorgehen, keine Ergebnisse. Ob es zu Ihrer Firma passt, klären wir im Erstgespräch.
Zwei Wochen, fünf Schritte
Kick-off
Kontenplan durchgehen, Kostenstellen festlegen, Zuordnungsregeln klären.
Export
Kontenblätter der letzten drei Jahre als CSV aus der Buchhaltung.
Zuordnung
Jede Kostenart zu Kostenstelle und zu fix oder variabel; offene Fälle notiert.
Auswertung
Anteile, Kosten pro Stunde oder Auftrag, Bewegung über drei Jahre.
Abschluss
Bericht Position für Position durchgehen; offene Fragen in der Notiz.
Glossar
- Kostenstelle
- Ein Bereich der Firma, dem Kosten zugeordnet werden — Werkstatt, Büro, Fahrzeuge. Macht sichtbar, wo Kosten entstehen.
- Fixkosten
- Kosten, die unabhängig von der Auftragslage anfallen: Miete, Versicherungen, Grundgehälter, Leasing.
- Variable Kosten
- Kosten, die mit dem Umsatz wachsen oder sinken: Material, Fremdleistungen, Provisionen.
- Kosten pro Stunde
- Die Fixkosten geteilt durch die produktiven Stunden eines Jahres — was eine Stunde kostet, bevor etwas verdient ist.
- Kontenblatt
- Die Liste aller Buchungen auf einem Konto über einen Zeitraum, Grundlage für die Zuordnung.
- Bewegung
- Die Veränderung einer Kostenposition über die drei betrachteten Jahre, in Franken und Prozent.
Wann die Analyse sinnvoll ist
- Zeitpunkt
- Am besten nach dem Jahresabschluss, wenn drei vollständige Jahre vorliegen — oder vor der Budgetplanung, deren Kostenteil darauf aufbaut.
- Vorlauf
- Start meist zwei bis drei Wochen nach der Offerte. Der Kontenexport sollte vor dem Kick-off vorliegen.
- Dauer
- Zwei Wochen vom Kick-off bis zur Abschlusssitzung; dazwischen braucht es von der Firma etwa eine Stunde für Rückfragen.
- Zugang
- Kontenplan, Kontenblätter dreier Jahre, produktive Stunden oder Auftragszahl pro Jahr, Liste laufender Verträge.